KI in der Arbeitswelt von morgen - Veränderungen und Gestaltungsansätze

Andreas Heindl und Alexander Mihatsch

Künstliche Intelligenz (KI) ist bereits heute ein wichtiger Bestandteil der Geschäftsmodelle und Prozesse vieler Unternehmen. In naher Zukunft werden KI-Systeme unsere Arbeitswelt tiefgreifend verändern. KI-Systeme können dabei für Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen und Domänen – insbesondere in der Industrie – völlig neue Potenziale entfalten. Bestehende Geschäftsmodelle können entlang der Wertschöpfungskette optimiert werden, indem Produktionsabläufe und Prozesse optimiert oder mit vorausschauender Wartung Stillstände in der Produktion vermieden werden (2). Gleichzeitig können KI-Systeme völlig neue Geschäftsmodelle ermöglichen und damit bestehende Marktstrukturen durch neue Akteure radikal verändern. Die KI-Wirtschaft von morgen wird individueller, präziser und nachhaltiger sein: Eine wettbewerbsfähige Wertschöpfung ohne KI wird in vielen Bereichen der Industrie nicht möglich sein (1).

Damit die skizzierten Chancen für Unternehmen auch umsetzbar und nutzbar werden, müssen sie die vielleicht größten Veränderungsprozesse der letzten Jahrzehnte durchlaufen. KI-Systeme werden die Wirtschaft ähnlich disruptiv verändern, wie dies zu Beginn der Industrialisierung und zuletzt durch die einhaltende Digitalisierung der Fall war. Ähnlich wie bei der ersten Welle der Digitalisierung gilt es dabei, frühzeitig auf den KI-Zug aufzuspringen: Haben die deutschen Industrieunternehmen einmal den Anschluss verloren, werden sie den Vorsprung US-amerikanischer oder chinesischer Konzerne nicht mehr aufholen können [1]. Dennoch sind noch viele Unternehmen – und besonders kleine und mittelständische Unternehmen – beim Einsatz von KI-Systemen zurückhaltend: Mangelndes Know-how bzw. fehlende Fachkräfte ist eines der großen Hemmnisse bei der KI-Einführung [2, 5, 4]. Unternehmen sollten deshalb besser früher als später eine geeignete KI-Strategie entwickeln, wo und wie KI-Systeme zum Einsatz kommen können [5].

Gleichzeitig bedeuten KI-Systeme nicht nur für Unternehmen, sondern auch für deren Beschäftigte bedeutende Veränderungen. In der industriellen Arbeitswelt von morgen werden KI-Systeme automatisierbare Tätigkeiten übernehmen und dort weitaus effektiver arbeiten können, als es ein menschlicher Beschäftigter je könnte. So wird sich eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI-System einstellen, die sich optimaler Weise an den jeweiligen Stärken von beiden Akteuren orientiert [3]. Während KI-Systeme in der Verarbeitung von großen Datenmengen ihre Stärken ausspielen und den Menschen mit Analysen und Vorhersagen unterstützen, können menschliche Eigenschaften wie Kommunikation, Empathie und vor allem Kreativität nicht maschinell substituiert werden [3].


Bild 1: Vier Phasen des KI-Change-Management-Prozesses (7).

Deshalb steht neben vielen strategischen Überlegungen eine weitere große Herausforderung an, die Unternehmen und Beschäftigte in der Industrie gemeinsam angehen müssen. Viele Beschäftigten haben bezüglich des Einsatzes von KI-Systemen noch Sorgen und Vorbehalte: Verliere ich meinen Arbeitsplatz? Kann ich die Anforderungen, die mir eine KI-basierte Industrie stellen wird, bewältigen? Um eine neue Technologie für die Industrie nutzbar zu machen, müssen die Beschäftigten aber zentraler Motor des technologischen Wandels sein [1]. KI-Systeme stellen hier keine Ausnahme dar. Damit Beschäftigte neue Technologien effektiv einsetzen können, brauchen sie Vertrauen in diese, das sich vor allem durch Transparenz und Partizipation im Rahmen der Einführung herstellen lässt [7, 1]. Die Herausforderung für Unternehmen wird es also sein, den KI-bedingten Veränderungsprozess gemeinsam mit den Beschäftigten zu gestalten.

Erfolgreiche Gestaltung der Transformation

Bei der Einführung neuer Technologien können Unternehmen prinzipiell auf bekannte Bausteine eines Change-Managements zurückgreifen. Dennoch stellen KI-Systeme mit ihren speziellen Charakteristika ganz eigene Herausforderungen an Veränderungsprozesse in der Industrie und in anderen Branchen [7]. KI-Systeme können basierend auf gesammelten Daten selbstständig Schlussfolgerungen ziehen bzw. Entscheidungsempfehlungen geben. Diese Fähigkeit ist selbstredend nicht nur auf Maschinendaten oder Absatzvorhersagen anwendbar, sondern prinzipiell auch auf personenbeziehbare Daten von Beschäftigten. KI-Systeme können damit auch zur Überwachung, Leistungserfassung und -bewertung oder im Extremen auch zu Prognosen über die Produktivität von Beschäftigten eingesetzt werden [7]. Damit stellen sich bezüglich des Einsatzes von KI in Unternehmen wichtige Fragen hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten und der Transparenz gegenüber verwendeten Daten. Aber auch die Arbeitsorganisation muss neugestaltet und im Zuge dessen eine Mensch-Maschine-Arbeitsteilung gefunden werden, die die Potenziale von KI-Systemen realisiert und gleichzeitig Handlungsspielräume von Beschäftigten erhält.

Wenn der Einsatz von KI-Systemen sowohl für das Unternehmen als auch die Beschäftigten zum Erfolg werden soll, ist deshalb ein gutes KI-Change-Management erforderlich. Ein mögliche Gestaltung dieses Prozesses kann sich dabei an vier Phasen orientieren, die von der Plattform Lernende Systeme erarbeitet wurden und Entscheiderinnen und Entscheidern in Unternehmen Orientierung für Veränderungsprozesse bieten: Es geht darum, Transformation ausgehend von der Zielsetzung und Folgenabschätzung über die Planung und Gestaltung sowie die Vorbereitung und Implementierung bis hin zur Evaluation und kontinuierlichen Anpassung ganzheitlich zu denken [7].

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